Beziehung, BERÜHRUNG, Begegnung

Ein Blogbeitrag von Veronika Horstrup. Und ein herzliches Danke an Veronika für einen berührenden Workshop!

Wieder ein Abend mit der Wohngemeinschaft, wieder ein Abend mit Ricarda, Matthieu, Jörg, Timo, Laura und Manuela. Ich bin noch immer berührt. Jedesmal aufs Neue freue ich mich über die Leut´, die Bereitschaft und Begeisterungsfähigkeit für Themen, die so unter und an die Haut gehen.

Am Dienstag durfte ich in der WG  einen Abend gestalten zum Thema Berührung. Zwei Stunden können natürlich nur ein kleiner Streifzug zu diesem vielseitigen Komplex sein. Wir haben begonnen mit unseren Füßen: die Beziehung zur Welt ist leiblich. Wir stehen in der Welt, wir berühren den Boden unter unseren Füßen, beziehen einen Standpunkt, wir berühren die Füße, kneten, massieren, streicheln. Berührung geschieht auf verschiedene Art und Weise: ich berühre mich, ich berühre andere Menschen und ich berühre Dinge; ich werde berührt von anderen Menschen, von Dingen und ich bin berührt von Stimmungen, z. B. von Musik, die mich berührt.

Die Haut ist unser größtes Organ für Berührung. Über die Haut spüren wir berühren, begreifen, behandeln, aber auch berührt sein. Ein gutes Beispiel ist die Gänsehaut, die wir bekommen, weil uns kalt ist. Die Härchen stellen sich auch auf, wenn wir Furcht empfinden. Unsere Haut trennt außen und innen und sie ist wie eine Membran: empfänglich und durchlässig. (Der Sonnenbrand rötet unsere Haut oder wir werden rot, wenn wir uns schämen.)

Jeweils zwei Menschen haben sich eine Weile zusammengefunden, sich gegenseitig berührt, gestreichelt, gekitzelt, wollten Haut spüren, zart und sanft oder fest und geborgen miteinander sein. Ich war überrascht, wie ideenreich, nah, intim und trotzdem nicht distanzlos sich alle miteinander berührten. Und ich hatte den Eindruck, dass jede/-r spüren kann, was der/die Partner/-in grad braucht, mag und vertragen kann. Haare ziehen, den Pulli ein bisschen lupfen, um warme Haut zu berühren und nicht nur Klamotten, den Partner mit der eigenen Hand streicheln, einen Halm übers Gesicht wandern lassen, die Partnerin vorsichtig auf den eigenen Körper legen – wunderschöne, berührende Momente durfte ich miterleben.

Als weiteren Aspekt von Berührung schauten wir auf den Atem. Atmung ist ein ständiger Austauschprozess mit der Welt. Wir nehmen Welt in uns auf und geben wieder ab, wir öffnen uns und verschließen uns. Atmung, Atem, atmen fühlen wir kaum, nehmen wir wenig wahr im Alltag, wir atmen meist unwillkürlich und unbewusst.

In unserer Alltagssprache benutzen wir Redewendungen, die mit dem Atem und der Luft zu tun haben:

„… da musste ich den Atem anhalten.“

„Erstmal ausatmen.“

„Dafür brauche ich einen langen Atem.“

„Es herrscht dicke Luft.“

Wir verstehen und fühlen sofort, wenn wir mit diesen Situationen in Berührung kommen.

Am Dienstag haben wir uns für einige Minuten mit dem eigenen Atem beschäftigt: „Ich spüre mich selbst atmen.“ Da geht es nicht um den allgemeinen Atem, um einen Körper, der getrennt von mir ist, sondern um mein eigenes Atmen. Ich spüre mich selbst: kurzatmig, unruhig oder ausgeglichen, den Weg des Atmens verfolgend, tief oder flach, hektisch oder einschlafend. Jeder Mensch atmet auf seine/ihre Weise und das können wir erkunden.

Und gegen Ende kamen die Tanz- und Bewegungsexperten noch ganz kurz zum Zug.

Klänge, Töne, Geräusche, Melodien, Rhythmen, Musik berühren uns wechselseitig. Alle Arten sind beziehungsstiftend und berührend. Wir lassen uns anrühren, wir schwingen mit, wir erleben keine Trennung zwischen innen und außen. Alle Arten von Beziehungen werden ausgedrückt: Freude, Traurigkeit, Einsamkeit, Sehnsucht, Zuversicht, Geborgenheit, Angst, Liebe usw. Daneben steht dann wie ein vertrauter Nachbar die Bewegung, der Tanz. Das Berührtsein heißt dann: anschmiegen, zurückweisen, vereinigen etc. Egal ob es traurige oder freudige Klänge sind, die uns berühren, wir kennen die Stimmungen selbst, wir sind vielleicht zu Tränen gerührt, werden aber deshalb nicht depressiv.

Und so bewegten wir uns durch den Raum, nahmen die Küche zwar als Küche wahr, konnten der Arbeitsplatte jedoch eine andere Bedeutung zuweisen, vielleicht als Fläche für gleitende Begegnung, der Boden fühlte sich im Anschmiegen nicht so alltäglich an, wir begegneten, berührten und bezogen uns aufeinander.

Im anschließenden Austausch berichteten wir uns gegenseitig von unserem Erleben.

Und zum Schluss berührten wir uns, begegneten uns zum Abschied leiblich und wünschten uns „eine gute Nacht“.

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